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Eine Handvoll Impressionen meines Lebens in SP

Wie schnell die Zeit vergeht.
Seit einigen Wochen sammle ich nun fleißig Bilder und bin nicht dazu gekommen, sie endlich mal auf den Blog zu stellen. Hier also nun die gebündelnden Eindrücke der letzten zwei Monate und von diversen Städten: Belo Horizonte, Niteroi, Resende, Rio de Janeiro und natürlich auch São Paulo. Da es für mich auch schon in 43 Tagen zurück geht, spare ich mir an dieser Stelle lange Reiseberichte und verspreche nach meiner Ankunft in Deutschland ausführlicher über die einzelnen Hintergründe zu den Fotos zu berichten 😉
LG aus Brasilien, Flo

Brasilien brennt…zumindest in den Medien

Hallo liebe Blog-Leser,

ich habe Euch ja in den letzten Tagen und Wochen etwas vernachlässigt. Man arbeitet halt viel, studiert fleißig, besucht ab und an die Freundin und geht halt auch mal auf die Demos hier in São Paulo. Euch ist sicher nicht entgangen, dass sich hier im Land gerade etwas tut. “O gigante acordou.”, singt die Masse von nun täglich ca. 50.000 Protestierenden in São Paulo und vielen anderen Städten Brasiliens – ‘Der Gigant ist aufgewacht.’ Und das ist er scheinbar tatsächlich. Immer mehr Menschen tun ihren Unmut über die korrupte politische Elite, Inflation, erhöhte Lebenshaltungskosten, große soziale Ungleichheit, gravierende Mängel im Gesundheits-, Bildungs- und Transportwesen, über 30 Mrd. US$ Ausgaben für Stadienbauten und andere WM-Vorbereitungen, die an so mancher Stelle besser investiert wären, und eben auch über die stetig steigende Fahrpreise im prekären öffenltichen Verkehrswesen kund. Während 99,9% der Beteiligten friedliche Wege suchen, auf die Missstände aufmerksam machen, gibt es halt auch immer eine kleine Gruppe, die öffentliches Eigentum zerstört, Nachrichtenwagen und Busse anzündet, Stadtverwaltungen stürmt oder gar die Tumulte nutzt, um sich unbemerkt in den vielen Läden im Zentrum der Stadt zu bedienen. Ich bin natürlich bei Ersteren dabei (wie man auf dem Foto erkennen kann), mir geht’s gut und ich halte mich so gut es geht von Pfefferspray, Tränengasbomben und Gummigeschossen der Policia Militar (unter einer der Diktaturphasen Brasiliens eingerichtete Militärpolizei) oder der Tropa de Choque (Schocktruppe für Spezialeinsätze) fern. Liebe Grüße aus São Paulo!

Einen recht passablen Beitrag zum Thema findet man hier auf der Tagesschauseite und hier noch ein aktuellerer Nachtrag. Ich bin heute nach Rio gefahren, dort wo gestern der BOPE (vergleichbar mit SEK) und die Força Nacional (Nationalgarde) mit gepanzerten Fahrzeugen gegen mehr als 300.000 Protestierende (darunter auch Frauen und Kinder) gekämpft haben. Gerade machen Bilder von sinnloser Polizeigewalt wie den Beschuss eines Krankenhauses mit Tränengas oder willkürliche Schlagstock- und Pfeffersprayattacken die Runde in den sogenannten Social Media Kanälen…

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…und in São Paulo

da ich nun wieder eine längere Zeit wieder in Brasilien bin, mein Deutsch nicht verlernen möchte und Eure E-Mail-Postfächer nicht überlasten will, habe ich mich entschlossen für einige Posts meinen Blog wieder aufleben zu lassen. Außer einigen indonesischen (keine Ahnung warum?) Besuchern war hier ja auch ne Weile Funkstille.
Also kurz, warum bin ich in der größten Stadt Südamerikas? Ich werde hier ein fünfmoniges Praktikum absolvieren, für meine Abschlussarbeit ein wenig Material sammeln und mir ein paar Ecken des Landes anschauen, die ich bis jetzt noch nicht gesehen habe. Die wichtigsten Fragen sein nun auch zu Beginn beantwortet:
1, Mir geht’s gut.
2, Das Essen schmeckt.
3, Das Wetter ist gut, aber nachts ein wenig kühl, schließlich wird hier auf der Südhalbkugel gerade so etwas wie Winter.
Nun gut und jetzt, was bisher geschah: ich bin am Freitag, den 19.04., nach einem erschöpfenden und langen Flug im Flughafen der Stadt angekommen. Mein Sitznachbar hat die ganzen 13 Stunden fleißig mit offenem Mund geschnarcht und beharrlich jedes Essen und Getränke abgelehnt und dementsprechend köstlich gerochen.
Dieses Schlafdefizit konnte ich auch auf dem Weg in die Wohnung meines Kumpels Alex nicht nachholen. Mit der Riesenreisetasche, einem Rucksack und ner Laptoptasche ging’s während der Rush-Hour um 9 Uhr morgens zunächst in nen Bus zur U-Bahn und von dort dann in nen anderen Bus. Nach 1 1/2 Stunden Reise war ich da und fertig. Ein kleiner Eindruck vom paulistanischen Transportwesen hier.
Das Wochenende habe ich dann Größtenteils auf dem Unigeländer verbracht – die sogenannte “cidade universitária”, der Universitätsstadt. Und es handelt sich tatsächlich um eine Stadt. Auf dem kilometerweiten Campus fahren sogar Busse, um die Studenten und Dozenten von A nach B zu bringen. Außerdem habe ich mit meiner Freundin Tati, die von Rio zu Besuch kam, ein wenig die Gegend erkundet. Wir haben uns Street-Art im Viertel Pinheiros angeschaut, das berühmte Mega-Mortadella-Sandwich in der Markthalle gegessen und Alex beim Trommelunterricht zugeschaut.
Am Montag war dann auch schon mein erster Arbeitstag und ich konnte das nette Team kennen lernen und reichlich Kaffee genießen. Und weil man das mit der Arbeit auch nicht gleich übertreiben sollte ging es mit Alex und Tatiana dann erst einmal zum Strand. Im vier Stunden entfernten Ubatuba wanderten wir gemeinsam mit Freunden von Alex von Strand zu Strand, kochten mit der Nachbarsfamilie und nahmen Surfstunden (ja, das auf dem Bild bin wirklich ich und kein Photoshopremake!).
Zur Zeit bin ich viel mit dem Praktikum beschäftigt, hab mir ein Fahrrad besorgt und finde gerade den am wenigsten gefährlichen und fahrbaren Weg zur Arbeit. Ab und zu 10km zu fahren, ist ja auch nicht verkehrt, dass heißt, wenn die Technik mitspielt: ich zähle bis jetzt einen Reifenplatzer und zwei Kettenrisse. Aber João vom Fahrradladen hat alles fix und kostenlos ersetzt. Keine Ahnung wie er das macht, die Ersatzteile sind sicher schon mehr wert, als der Preis, den er von mir für’s Fahhrad haben wollte erzielt hat, aber man will sich ja nicht beschwehren 😉
Ich wünsche Euch allen was und der nächste Blogeintrag kommt bestimmt! Euer Floriano